Geister gehen geradeaus

Der Yu-Garten liegt nordöstlich des Altstadtbasars. Die große Anlage stammt aus der Ming-Zeit (1368-1644) und gehört zu den berühmtesten Gärten Chinas. Vor dem Eingang des Gartens dehnt sich ein großer Goldfischteich aus, in dessen Zentrum sich ein Teehaus befindet.

Man gelangt über eine Zickzack-Brücke zum Teehaus, die nicht etwa die Experimentierfreudigkeit ihres Architekten ausdrückt, sondern verhindern soll, dass Geister oder Dämonen in das Teehaus gelangen. Angeblich können diese nämlich nur geradeaus gehen. Der Spaziergang durch den Park zeigt uns ein weiteres Gesicht Shanghais. Entspannt gehen die Menschen durch den Park spazieren, es herrscht Sonntagsstimmung. Viele kleine und kunstvollverzierte Pavillons befinden sich inmitten der riesigen und bis ins kleinste Detail gepflegten Grünanlage. Der Yu-Garten ist eine Oase der Stille inmitten geschäftigen Treibens des schnellen Shanghai.

Wir sind müde und erschöpft und beschließen erst einmal nach Hause zu fahren und ein wenig auszuspannen.

Die Fahrt mit dem Bus ist zunächst jedoch alles Andere als entspannend. Alle wollen gleichzeitig rein oder raus, es kommt zu einem unglaublichen Gedrängel und wir sind froh, als wir im Bus sind. Es gibt eine kleine Chinesin, die dafür sorgt, dass sich jeder eine Fahrkarte kauft. Ihre Hände sind von der Druckerschwärze der Fahrkarten verschmiert und auch im Gesicht hat sie ein paar rauchige Flecken. Als sie alle mit Fahrkarten versorgt hat macht sie es sich am Fenster vor der Seitentür bequem. Sie trägt, wie viele Chinesen, Armschoner, das sind Stulpen die vom Handgelenk bis zum Ellenbogen reichen und die Kleidung vor der Abnutzung schonen sollen. Die Frau scheint ganz in sich gekehrt und schafft es zwischen den einzelnen Haltestellen tief in sich zu versinken, fast so als würde sie meditieren. Mit jedem Busstop geht jedoch das Gedränge an den Türen auf Neue los.

Nach zwanzig Minuten erreichen wir unsere Unterkunft und fallen erschöpft in die Betten.

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