Hühnerfüße statt Kaugummi
Der Weg zum Markt führt entlang der Garküchen. Teilweise undefinierbares wird hier zubereitet und für wenige Yuen feilgeboten. In großen alten Fässern brennt ein offenes Feuer, darauf wird der Wok erhitzt und mit riesigen Schöpfkellen in Windeseile diverse Gerichte zubereitet. Eine hagere Chinesin wirft routiniert eine Hand voll Gemüse, ein Ei und die obligatorischen Prise Glutamat in den Wok, einen Teller Reis dazu, es zischt und brutzelt und nach wenigen Sekunden serviert sie eine große und köstliche Reispfanne.
Aber das ist längst nicht alles, was die chinesische Alltagsküche zu bieten hat. Die Snackkultur übertrifft die unsrige bei weitem. Ein Stand reiht sich an den anderen. Kleine Karren mit Glasvitrinen in denen zehn oder 15 Schälchen mit mehr oder minder verlockenden Delikatessen liegen. Hühnerfüße gehören zu den beliebtesten Snacks unter den Chinesen. Man erhält sie in verschiedener Zubereitung, süß-sauer, würzig-scharf,… Die chinesische Phantasie kennt hier keine Grenzen. Die Hühnerfüße scheinen eine ähnliche Funktion zu erfüllen wie in westlichen Ländern der Kaugummi. Endlos wird auf ihnen herumgeknabbert, die zähen Stücke halten ewig; ähnlich wie die Schweineohren. Ist man fertig mit dem Fuß wird der Rest einfach irgendwohin gespuckt, egal wo man sich gerade befindet.
Wir können uns kaum losreißen vom Anblick der verschiedenen Speisen und erreichen erst nach einer Stunde den Markt.
Das Angebot hier ist noch bizarrer als erwartet. Als erstes sehen wir einen Stand mit vielen Einmachgläsern in denen Getrocknetes aufbewahrt wird. Die Palette reicht von diversen Kräutern über Tierhörner bis hin zu Schlangen. Die Verkäuferin präsentiert uns stolz ihre exotischsten Stücke. Die einzelnen Inhalte sollen verschiedene Krankheiten und Leiden heilen. Die Nachbarin nimmt neugierig Notiz von uns, sie bietet Gemüse feil, frisch, leuchtend, duftend, teilweise Bekanntes wie Blumenkohl, teilweise exotisches wie Shanghai-Zai.
Ein einer Nische machen zwei Chinesen frische Nudeln, wir fragen, ob wir das fotografieren dürfen und fast stolz stimmen sie zu. An den Fischständen nebenan krabbeln die Krebse über den Tisch und der Verkäufer hat alle Mühe sie beisammen zu halten. Unter dem Tisch steht eine kleine Wanne mit Aalen; ebenso lebendig wie die Hühner am Ende der Gasse. Wir bleiben kurz vor dem Hühnerstall stehen und sogleich wittert die emsige Chinesin ein Geschäft, packt ein Huhn mit der Rechten, in der Linken schon das Hackbeil. Als wir erschrocken abwehren zeigt sie uns die Vorzüge des Huhns. Wir verstehen zwar kein Chinesisch, aber sie scheint uns zeigen zu wollen, wie gute genährt das Federvieh ist.
Höflich dankend gehen wir weiter, und passieren einen Stand, an dem ein sauber zerlegtes Huhn wie ein Museumsstück ausgestellt auf dem Tisch liegt. Die Blase ist prallgefüllt und leuchtet wie ein gelber Wasserballon. Wir haben genug vom Markt und wollen uns erst einmal um klassische Sehenswürdigkeiten bemühen.
Fotoquelle: Koh-Thai – Fotolia.com