Zwischen den Welten

Die kurze Pause hat uns gut getan, um alle Kräfte wieder zu wecken wollen wir eine Spezialität der chinesischen Küche austesten. Aufgrund mehrer Empfehlungen beschließen wir in das berühmte Yanyunlou Restaurant in der Nanjing Donglu zu gehen. Die Pekingente des Hauses ist weit über die Grenzen Shanghais bekannt. In dem prachtvollen roten Restaurant angekommen sitzen wir an einem großen runden Tisch und bestellen die berühmte Ente und dazu viele kleine Beilagen. Die Ente wird nach Gewicht bestellt und wer mag kann sie sich in der Küche aussuchen gehen. Das Warten auf das Essen wird mit Teetrinken verkürzt.

Der Tee wird aus Kannen mit sehr langen dünnen Hälsen kunstvoll in die Tassen gegossen. Die Kannenausgüsse sind so lang, dass der Kellner aus mehr als einem Meter Abstand den Tee einschenkt. Alleine für dieses Erlebnis hat sich der Besuch des Yanyunlou Restaurants schon gelohnt. Dann kommt die Ente, sie wird auf einem Servierwagen herbeigefahren und der begleitende Koch fragt, ob wir mit der Wahl einverstanden sind. Nachdem wir unsere Zustimmung gegeben haben beginnt er die Ente zu zerlegen. Wie wir später erfahren ist dies eine besondere Kunst, die über mehrere Jahre erlernt werden muss. Die Ente schmeckt vorzüglich, ebenso wie die diversen Gemüse und Teigwaren die wir bestellt haben.

Als wir abends im Bett liegen lasse ich meinen Tag Revue passieren und verstehe, wie eine so vielfältige Stadt wie Shanghai zu so unterschiedlichen Namen wie “Paris des Ostens” und “Tor zum Westen” kommt. Shanghai, was wörtlich übersetzt “über dem Meer” bedeutet ist eine Stadt, die sich in atemberaubendem Tempo entwickelt und wahrscheinlich kann man den Drahtseilakt zwischen Tradition und Moderne, den sie so selbstverständlich demonstriert nicht mehr lange bewundern, was sehr zu bedauern wäre. Zwar dominieren die monumentalen Bauten in Pudong bereits überwiegend das Stadtbild, seinen Charme erhält Shanghai jedoch durch die traditionellen Gebiete des “Alten Shanghai”.

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